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Komplett im Trubel untergegangen ist der erfolgreiche Sprint von Carsten um den Titel des Hamburger Vizemeisters Marathon 2009. Einfach sehenswert! Hut ab!
Nebenbei hat Carsten noch einmal seine persönliche Bestzeit um eine Minute auf 02:36:32 verbessert. Beachtens- und hörenswert auch die großartige Unkenntnis der Sprecher… typisch Hamburg.

 

SAMSTAG, 15.11.2008: VIÑALES – FINCA LA GUABINA
von DETLEV BRAACK

Weder die am Vortrag im Pferdesattel durchrittenen 15 Kilometer noch das vierte Zusammentreffen mit der stark dialektisch geprägten deutschen Reisegruppe hält uns am Morgen des 15. Novembers davon ab, voll motiviert an die nächste Etappe heranzugehen. Doch welchen Ort nehmen wir uns als Tagesziel? Vor dem abermaligen Sprung auf den Fahrradsattel steht die beim kubanischen Einheitsfrühstück ausgiebig diskutierte Frage, wo wir am kommenden Abend nächtigen möchten. Unter Konsultation unserer wortreich und fachkundig beratenden Gastgeberin Esther sowie ihrer Schwiegertochter gewinnen wir die doch eher unerwartete Erkenntnis, dass es nur wenige Hotels oder Casas gibt, die bei realistischer Bewertung heute noch erreichbar sind.
Hierbei berücksichtigen wir selbstverständlich auch die jedem Kuba per Fahrrad-Erfahrer bekannte Gleichung:

Σ Muskelmasse + Anzahl funktionierender Gänge x Pannenwahrscheinlichkeit : Ponchera-Dichte im befahrenen Gebiet = RRR (Realistische Reichweiten-Region)

Schließlich entscheiden wir, auf einer auch unserem Reiseführer noch unbekannten Strecke die circa 60 Kilometer entfernte Finca La Guabina anzusteuern. Dort soll uns – glaubt man unseren hilfreichen und dabei sehr wortreichen Gastgeberinnen – ein idyllisches, abseits jeglicher Zivilisation gelegenes Hotel auf einer Pferderanch erwarten. In einer telefonischen Vorab-Anfrage gibt die Finca-Verwaltung grünes Licht und das Hotel verspricht, Zimmer für uns bereit zu halten. Nur noch schnell den bereits avisierten Hotel-Voucher in der einzigen Reiseagentur des 4.000 Seelen-Ortes Viñales abholen und los geht’s!

Los geht’s?!?
Nix geht los!!!
Ärger geht los …

Bei einer langen Radtour unter praller Sonne kommt Wasser mit Vitamin-Tabletten sicherlich gut! Was hingegen (auch bei freundlichen Kubanern) weniger gut kommt, ist, wenn man knapp einen Liter eben dieses Wassers in der einzigen Reiseagentur von Viñales gleichmäßig auf dem Boden verteilt. Gerade früh am morgen kann der ansonsten wirklich sehr freundliche Kubaner, auf eine derartige Aktion schon mal gereizt reagieren. Trotz dieses ungewollten, sehr klebrigen Intermezzos unseres Luxus-Kumpels erhalten wir den Voucher. Nachdem zehn Minuten später dann auch die bei Verschütten des kühlen Nass aufgeschlagene alte Wunde am Knie wieder gestillt ist, geht es dann doch noch los. Bloß schnell weg, bevor einer von uns noch verhaftet wird. Wir verlassen Viñales auf dem schnellsten Weg und fahren auf der Hauptstraße in Richtung Pons.

Das Tal von Viñales ist einfach wunder-, wunder- wunderschön. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine schönere Landschaft gesehen zu haben. Gebirgszüge, einzelne, hoch ragende Berge, kein Verkehr, keine Menschen, viel sattes Grün. Bei aller Schönheit gerät in Vergessenheit, dass wir so gar nicht abschätzen können, was uns und unsere ausgeruhten Beine erwartet. In unserem Kuba-Reiseführer ist diese Tour nicht beschrieben. Egal, denn auch rein „radfahrerisch“ macht es einfach nur Spaß, die kurzen, recht flachen Anstiege zu nehmen, um kurz danach wieder locker abzufahren. Lediglich die unübersehbaren Auswirkungen der Hurricanes wecken Betroffenheit. Im Westen (Kubas) nichts Neues. Aufgrund des intensiven landschaftlichen Erlebnisses und der nur ganz, ganz selten anzutreffenden, immer freundlichen Menschen genießen wir die Tour – jeder für sich, jeder auf seine Art …

Nach ungefähr 20 Kilometern machen wir in einem Schatten spendenden Wartehäuschen am Rande der Strecke nahe der Abzweigung nach Moncada unsere zweite Pause. Wieder einmal müssen wir stark mit unseren Getränken haushalten, da weit und breit keine Möglichkeit besteht, neue Getränke zu erwerben.

So eine Wasseraufnahme-Pause ist – vergisst man mal das kühle Nass, welches man sich da in die Kehle kippt – tendenziell ja doch etwas „sehr Trockenes“: Man redet nicht unbedingt viel, sammelt sich, trinkt etwas, isst einen Keks und fährt dann weiter … Dieses Pause, jedoch, ist nicht gar so trocken, weil nämlich einer unserer Mitstreiter …
… nicht nur Flüssigkeit zu sich nehmen, sondern auch noch ablassen muss
… und sich für dieses Geschäft mit den später noch sehr bedeutsam werdenden Worten „Ich kann einfach nicht, wenn Ihr mir dabei zuseht“ noch 10 Meter weiter gen Südwesten von uns entfernt,
… um danach zwar von unseren Augen nicht einsehbar, ansonsten aber völlig offen, an der Straße zu stehen
… und nicht zu bemerken, dass direkt hinter ihm ein Fahrzeug mit drei jungen kubanischen Damen anhält,
… die eben unseren sich unbeobachtet fühlenden Wasserablasser, ausgiebig und erstaunt zugleich, von Anfang bis Ende der Geschäftsverrichtung von hinten mustern.
Manchmal ist es wirklich besser, nichts zu wissen. Wäre sonst wohl nicht … so gut gelaufen … (Vielleicht ein Spaß, den man nur empfinden kann, wenn man direkt dabei ist, vielleicht muss man(n) auch Mann dazu sein. Ein Highlight bleibt es allemal, sonst würden wir uns auch ohne Foto nicht mehr (mit 2:1-Mehrheit) so gerne daran erinnern …)

Bald schon erreichen wir Pons. Zwei Straßen, eine T-Kreuzung, wahrhaft nicht Havanna-Standard entsprechende Häuser, viele Menschen, Tier und Karren auf den Straßen. Wir betreten das einzige Restaurant des Ortes und stellen dort mit Erstaunen fest, dass der im Nebenraum laut laufende Fernseher ein kubanisches Fußballspiel bei Schnee zeigt. Befremdend. Da wir bei derart schlechter Bildqualität keinen Ball erkennen können und uns die kubanischen Fußballligen dann doch nicht so sehr interessieren, beschließen wir, kurz Wasser zu kaufen und gleich danach weiterzufahren.

„Aqua?!? No tenemos!!!“
Oder auf Deutsch: Wasserkauf?!? Fehlanzeige!!!
Es gibt (angeblich?) kein Wasser in dem Restaurant mit verschneitem Fernsehbild!
„Otros refrescos?“ Andere Getränke?
„No hay problema!“

Und so lehnen wir morgens um 11:30 Uhr an einer frisch gestrichenen oder gekalkten Brücke direkt am Ortsausgang von Pons bei 34 Grad im (hier leider nicht vorhandenen) Schatten, um ein Becks zu trinken? Prösterchen …

Mit mehr oder weniger weißen Hinterteilen geht die Tour weiter durch die einsame und hügelige Landschaft Richtung Cabezas. Nach mehr als 30 Kilometern ist Cabezas der zweite Ort, in dem wir am heutigen Tag einen Richtungswechsel vornehmen müssen. Bunt gekleidet fahren wir in den Ort ein und biegen schon bald scharf links ab – nicht jedoch ohne schon lange vorher zu bemerken, dass sich der Ort Cabezas durch die schon aus weiter Ferne vernehmbare musikalische Beschallung der einzigen, stark bevölkerten T-Kreuzung des kleinen Ortes auszeichnet. Stimmung wie bei einem Marathon-Einlauf. Jedoch, so entgeistert und schweigend wie uns die vielen Anwesenden in just dem Moment beobachten, da wir elegant die einzige Kurve des Ortes meistern, so unwahrscheinlich ist es, dass diese Menschen wahrhaft den lieben langen Morgen auf uns gewartet haben.

Wenige hundert Meter später schwant uns, dass durchaus noch etwas anderes für die stummen Blicke der Kubaner verantwortlich gewesen sein könnte: der für Fahrradfahrer ungewöhnliche Straßenbelag, der sich auf unserem vorletzten Teilstück zur Finca La Guabina unter uns – im wahrsten Sinne des Wortes – auftut. Der Asphalt ist weich. Wir treten so schwer, als hätten wir das größte vordere Ritzel aufgelegt, tatsächlich jedoch arbeiten wir im niedrigsten Gang. Wir kommen nur schwer vom Fleck. Unsere Räder kleben förmlich an der Straße fest, und ich erwarte als nächstes den lauten Knall eines Reifens, der dieser unerträglichen Hitze von unten und oben nicht mehr standhalten kann. Teilweise weichen wir in den Schotter rechts und links der Fahrbahn aus und vermeiden so die nächste Reifenpanne. Nachdem der Straßenbelag wieder härter wird, befreien wir sorgfältig die Vorder- und Hinterreifen von den vielen aufgenommenen Steinen und setzen die Tour fort.
Mit was?
Mit Recht!!!

Denn in dem immer bergiger werdenden Gelände eröffnet sich nahe der Finca La Guabina ein unbeschreiblicher Blick, das Natur-Highlight meiner über 40-jährigen optischen Aufnahmefähigkeit. Kein Kommentar, nicht wiederzugeben, muss man erlebt haben …

Die letzten Kilometer bei praller Sonne sind davon überschattet, dass wir kaum noch Wasser haben. Der Weg zur Finca zieht sich. Anstiege, Abfahrten, Anstiege und immer wieder der mit der Zeit mehr und mehr frustrierende Fehlglaube, dass die Ranch sich doch hinter der nächsten Kurve eigentlich wie aus dem Nichts vor uns eröffnen müsste. Konjunktiv halt …

Mit meiner besonderen Tendenz zum „Bei-Anstrengung-Nicht-Nur-Kopfschwitzer“ lasse ich mich am letzten Anstieg weit nach hinten fallen. Die Tour wird zur Qual, aber diese nach 58 Kilometern und 617 Höhenmetern schlussendlich erreichte einmalige Finca soll uns zwei Tage lang für die Strapazen der letzten Stunde mehr als nur entschädigen.

Unmittelbar nach Erreichen des Hauptgebäudes der Ranch stürzt jeder von uns drei dringend notwendige Getränke runter. Dann werfen wir flugs die Rucksäcke auf unseren Zimmern ab und gehen den nur zweiminütigen Fußweg vom Haupthaus zum Natursee herab, um uns in eben diesem ein wohlverdientes Bad zu genehmigen. Erfrischend! Wir trocknen uns ab und gehen zurück zum Haupthaus – durch seitlich ausweichende Pfauen und eine hektisch vor uns her watschelnde achtköpfige Entenfamilie. Nun wollen wir uns für mindestens eine Nacht in den komfortablen Zimmern einrichten. Doch das wird nichts, beschäftigt uns nach Betreten des gemeinsamen Bades zunächst einmal nur noch diese sensationelle Klobrille. Hammer!

Klobrillen haben uns in Kuba schon oft erstaunt. Teilweise gab es gar kein sanitäres Sitzmobiliar, in anderen Fällen war selbiges labberig und hatte die Bezeichnung „Klobrille“ in keinster Weise verdient. (So nebenbei: Warum eigentlich Klo-Brille??? Ist doch eigentlich eher ein Klo-Monokel, oder? Wie dem auch sei: Egal …) Was wir im Bad der Finca La Guabina entdecken, ist einzigartig. Keiner von uns hat so etwas schon einmal gesehen, geschweige denn unter seinem hinteren mittleren Körperteil gefühlt. Doch es gibt sie tatsächlich: die weich GEPOLSTERTE KLOBRILLE mit zugehörigem weich GEPOLSTERTEN DECKEL und hierauf AUFGESTICKTEN APPLIKATIONEN. Sensationell! Ich überlege kurz, dem knallgrünen, an der Wand klebenden Gecko ein flottes „Tschüß“ zuzuwerfen und umgehend nach Deutschland abzureisen, um dort meinen Job zu kündigen und nur noch ‚in gepolsterten Klobrillen’ zu machen und durch die Baumärkte in Ost und West zu ziehen, lasse den Gedanken jedoch schnell wieder fallen. Schließlich wartet abends ja noch ein kühles Cristal und … ein weitere Variation kubanischer Hühnchen-Zubereitungskunst auf mich!

In einem Riesenhaus sind wir die einzigen Gäste, was uns zu einem Pudelwohlfühl-Gefühl gereicht. Beim Abendessen überwältigt uns – neben dem halb-krossen Huhn mit braunem Reis – der Blick aus dem Fenster des Haupthauses auf den See und die über diesem untergehende Sonne. Alles wäre perfekt, wenn nicht … ja, wenn nicht die nur für uns ganztags abgestellte Servicedame bei dieser (und jeder folgenden) Mahlzeit direkt neben uns stehen würde, um zu warten, dass wir aufgegessen haben, damit sie endlich abdecken kann.

Nachdem Christoph im Laufe des Abends nur zu deutlich demonstriert, wie wenig er Spiele mag und wie schlecht er Skat spielt, beschließen wir, unsere Schaukeltechnik auf dem Balkon im ersten Stock des Anwesens mit Blick in den Mond bis tief in die Nacht weiter zu perfektionieren.

An diesem Abend läuft nicht nur der Balkon einmal rund um das Haus, sondern auch seine Bewohner …

Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

Was bisher geschah! Das ultimative Cuba Libre Archiv!

 

FREITAG, 14.11.2008: REITEN IN VIÑALES
von DETLEV BRAACK

Im kubanischen Viñales – so viel weiß ich seit heute früh, 2 Uhr 23 – pflegen Hähne, Hunde, Katzen (und viele andere Tiere wohl auch noch …)
(1) … hauptsächlich des Nächtens,
(2) … in jedem Falle sehr laut und
(3) … kreuz und quer durch den gesamten Ort
zu kommunizieren!!! Und „kommunizieren“ meint an dieser Stelle nicht etwa einen zumindest überwiegend zivilisiert geführten, geregelten Dialog mit klarer Artikulation. Nein!!! Kommunizieren meint hier jede Form hauptsächlich lauten Geräusches – egal, ob Bellen, Kreischen, Jaulen, Krähen, Schreien oder, oder, oder. Nach unserer ersten Nacht in der Casa Esther Nodarse fühle ich mich völlig gerädert. Mir ist, als hätte ich durchgemacht und eine ganze Kiste Cristal-Pils oder 20 Cuba Libre (kubanische Mischung) alleine getrunken. Und ich habe heftige Ohrenschmerzen. Das harte kubanische Toilettenpapier ist als Lärm-Protektor für empfindliche deutsche Ohren einfach nicht geeignet. Denn es hat mich in keinster Weise vor der tierischen Lärmbelästigung geschützt, sondern lediglich heftigen Druckschmerz verursacht. So oder ähnlich muss wohl eine Nacht bei Hagenbeck sein …

Was dem einen das Ohr, ist dem anderen der Magen. Es ist so weit. Alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen haben nicht geholfen. Auch die fünf Cuba Libre des vorigen Abends haben den inneren Körperbereich zwischen Lachzentrum und Lende nicht ausreichend aufräumen können. In Viñales erwischt es den Ersten von uns. Christophs Gesicht will einfach keine andere Farbe als die Nicht-Farbe Weiß annehmen – trotz nun schon vier Tagen intensiver Sonnenbestrahlung. Oder schiebt er einen schwachen Magen nur vor, um nicht zugeben zu müssen, dass er sich an den ersten drei Tagen im Fahrradsattel so sehr verausgabt hat, dass er jetzt schon einen Tag Pause braucht? Schaun ’mer mal, was Luxus-Casi zu einer direkten Fortsetzung der Fahrradtour sagt …

Carsten stimmt dem Verbleib in Viñales sofort zu und freut sich diebisch über einen Brückentag. Denn es ist ihm offensichtlich binnen kürzester Zeit gelungen, sich an den kubanischen Luxus mit klimatisiertem Bungalow, hervorragender Klospülung und – last, but not least – individueller Dauerbetreuung durch die wahrhaft attraktive Gastgeberin zu gewöhnen. „Meinetwegen können wir bleiben!“, sagt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht und mümmelt dabei genüsslich weiter an seinem gehaltlosen Weißbrot, „habe es letzte Nacht ja auch nicht mehr geschafft, alle spanischen DVDs mit englischen Untertiteln anzusehen.“

Und ich? Einzelzimmer? DVD-Spieler? Attraktive Gastgeberin? Alles Fehlanzeige!!! Ich verbringe meine Nächte in einem 27 Grad warmen Zimmer neben Christoph. Dazu noch dieses ganz spezielle Spanisch von Hausmütterchen Esther, welches ich trotz aller Anstrengung ja so gar nicht verstehe … Was sollte mich hier noch halten? Ich setze mich schließlich an den gedeckten Frühstückstisch in Esthers Wohnzimmer und muss bei dem dabei einsetzenden stechenden Schmerz nicht mehr lange überlegen. Die veränderte Satteleinstellung des gestrigen Tages hat gewisse Teile meines rückwärtigen Körpers offensichtlich doch so beansprucht, dass auch ich einen Tag ohne jeglichen Sattelkontakt für eine ganz hervorragende Idee halte. „Im Übrigen“, gebe ich meinen beiden beisitzenden Kollegen noch zu bedenken, „macht das Grenzbereich-Wippen im Schaukelstuhl an einer stark befahrenen und begangenen Verkehrsstraße, wie sie an Esthers Haus nun einmal vorbeiführt, noch viel mehr Spaß, als das verdeckte Schaukeln in der Villa (Julio y) Cary, bei der lediglich der Mond Zeuge unserer immer ausgefeilteren Technik war.“

Esther bringt das traditionell-kubanische Frühstücks-Omelett und sogleich teile ich ihr unsere Entscheidung mit, einen weiteren Tag zu bleiben. Kurz danach bereue ich diese Entscheidung dann auch schon wieder, denn freudige Erregung unserer Gastgeberin, so wird schnell deutlich, macht die ohnehin schon diffizile Verständigung mit ihr nur noch viel schwerer. Bei dem Schwall an fröhlichen Worten, der da auf unsere völlig überforderten Ohren einprasselt, denke ich nach langer Zeit das erste Mal wieder an Deutschland. Besser gesagt … ich denke an … wie peinlich ……… Verona Pooth. Die redet doch meistens auch wie ein Wasserfall und hat ebenso iberische Wurzeln, oder? Ich beschließe, direkt nach dem Frühstück noch einmal das Namensschild der Casa einer genaueren Inspektion zu unterziehen. (Steht da wirklich Esther dran oder etwa doch der Name dieser penetranten Iglo-, 11880- 08/15- und Für-Was-Auch-Immer-Noch-Werbeikone?)

Wir bleiben also einen kompletten Tag in Viñales. Ok! Und was machen richtige Männer, die entweder über Magenprobleme klagen oder ihren Luxus genießen wollen oder gerade auch stark beanspruchte Sattel-Kontaktpunkte am Podex haben und allesamt nicht Reiten können? Richtig: Sie beschließen, sich auf dem Rücken dreier edler Rösser im wunderschönen Tal von Viñales niederzulassen und ein wenig Bonanza zu spielen. Mit von der Partie bei wieder einmal strahlendem Sonnenschein ist auch unser Führer Pablo, ein original kubanischer Caballero, der am Ortsrand von Viñales schon mit aus einzelnen Tabakblättern selbst gedrehter Zigarre auf uns wartet.

Es ist 12 Uhr mittags. Die Uhrzeit hat etwas Symbolisches. Drei Männer sitzen in mehr oder weniger knalligen Fahrradklamotten auf ihren Pferden und blicken in die Ferne. Und zwar immer in die Richtung, in die sich der scheinbar unsteuerbare Vierbeiner gerade wendet. Stille liegt nun nicht gerade über der Ebene. Vielmehr durchschneidet Dauerlachen das Tal von Viñales. Und unter der falsch herum getragenen Kappe, die uns vor der gnadenlosen Hitze schützt, sitzt der nicht erkennbare Schalk in Jedermanns Nacken. Lediglich Pablo, unser Caballero, schaut etwas skeptisch und scheint sich unter seiner der Reiterei angemessenen Kopfbedeckung zu fragen, wie er die kommenden vier Stunden wohl verleben wird. Nur zögernd zeigt er ein Lächeln und seine drei bis sechs noch verbliebenen Zähne verschiedener Couleur. Cooler Typ …

„Iba!“, schallt es laut. „Los!“ Die Vierbeiner bewegen sich.
Ross und Reiter eine Einheit?
Na ja …
Rhythmus finden …

Auf unserem Weg Richtung Gebirge – es soll zu einer Gebirgshöhle gehen, in der man schwimmen kann – wird sehr schnell deutlich, dass es sich hier nicht um einen gemütlichen Ausritt handelt. Der im Tal von Viñales ausgetragene Wettbewerb ist zwar nirgendwo ausgeschrieben. Und dennoch wird schnell deutlich, dass für zumindest zwei Jockeys das Innehaben der Führungsrolle dieser sich noch unrhythmisch fortbewegenden Karawane eine gewisse Bedeutung hat. Und genau das spiegelt sich dann auch in ihrem atypischen Reitverhalten wider: Um die Spitzenposition gegen überholende Reiter zu behaupten, ist Tempo ein wichtiger Aspekt. Logisch! Bedeutender jedoch – so erkennen die Rivalen schnell – wiegt die Pferde-Lenk-Geschicklichkeit, mit der man gerade in sehr engen Passagen einen Überholversuch des nachfolgend Platzierten frühzeitig unterbinden kann.

Während sich vorne zwei ehrgeizige Möchtegern-Schockemöhles um die Führung streiten, kämpft ein anderer wackerer Caballero weit abgeschlagen und offensichtlich Zügel-los darum, sein Ross auch nur mal ansatzweise in die richtige Richtung zu dirigieren. „Nein, Nein, Nein …“oder „Stopp!“, gerne auch mal ein verzweifeltes „da lang geht es, da lang“, so lauten Kommandos des hart arbeitenden Desperados, die von den weit entfernten Führenden gerade mal noch so zu vernehmen sind. Aber das kubanische Pferd kann oder will einfach kein Deutsch verstehen …

Auf der sechs Kilometer langen Strecke zu den Höhlen (Cuevas) gelingt es durch strategisch geschickten Pferdewechsel und Pablos Hilfe dann schließlich doch noch, das vierköpfige Feld zusammenzuführen, um es kurz danach schon wieder mit lauten „Iba! Iba!“-Rufen und der rasselnden Peitsche von Pablo auseinander zu treiben. Schnell lernen wir den Unterschied zwischen leichtem Galopp und zügigem Trab. Ist der leichte Galopp für den nicht ganz so geübten Reiter als „doch schon ganz schön schnell, aber angenehm rhythmisch“ zu umschreiben, so tut schneller Trab einfach nur – im wahrsten Sinne des Wortes – tierisch weh, rüttelt diese Pferde-Fortbewegungsart doch den kompletten Körper des ungeübten Reiter allzu sehr und vor allen Dingen bis in das letzte Glied durcheinander.

Wir haben wahnsinnig viel Spaß und erreichen nach einstündigem Ritt die Cuevas, an deren Eingang uns ein weiterer Führer empfängt, der nun nicht auf Pferde, sondern auf Höhlen spezialisiert ist. Mit selbst konstruierten, schwer zu umschreibenden Fackeln gehen wir einen rutschigen Weg über Schlamm, improvisierte Stege und schmale Absätze zweihundert Meter tief in die Höhle hinein. Angekommen an dem Piscina de la Cueva (=Höhlen-Schwimmbad) frage ich den Führer, wie viele Gäste denn hier bei Fackelschein baden. „Casi todos“, sagt er kurz und trocken. Auch wenn man meinen könnte, dass gerade der erste Teil dieses Ausdruckes den Spitznamen eines von uns Dreien meint, so steht diese Redewendung doch einfach nur für „fast alle“. Na dann …

Es dauert keine zwei Sekunden bis meine Hose als erste in den Höhlenschlamm fliegt. Schon bald folgen zwei weiteren Beinkleider. Von den am Rand abgestellten Fackeln romantisch beleuchtet, nehmen wir zu dritt ein warmes Höhlenbad und posieren lachend für die Kamera. Bei aller Mühe sollte es unserem erfahrenen Höhlen-Führer in der vorherrschenden Dunkelheit jedoch nicht gelingen, uns alle zusammen hierbei auch standesgemäß abzulichten.

Kurz nach dem Bad sitzen wir wieder auf und reiten los, um auf unserem Rückweg noch an zwei weiteren Hütten Halt zu machen. Dort bekommen wir (mehr oder weniger ungefragt und ungewollt natürlich …) Ananas und trinken Kaffee – alles natürlich gegen Zahlung von ein wenig Kleingeld. Und wieder einmal sehen wir, wie das (Über)leben hier funktioniert: Während wir in die rechte Hand der Gastgeberin den einen oder anderen konvertiblen Peso legen, zahlt sie unserem Caballero mit der anderen Hand Kuba-Pesos als Provision. Teilweise leben hier zwei Menschen in winzigen Holzhütten auf weniger als 10 Quadratmetern. Das Aussehen der Matratzen kommentieren wir aus hygienischen Gründen an dieser Stelle mal nicht. Geht’s uns gut …

Nachdem an einer tiefen Wasserstelle auch die Pferde einen schlammigen Drink nehmen, um dabei gleichzeitig auch noch unseren Füßen inklusive Turnschuhen ein Bad zu bereiten, steigen wir aus dem Sattel, verabschieden uns mit besonders herzlichem Dank bei dem schroff wirkenden, aber sehr herzlichen Pablo und gehen Richtung Ortszentrum. Knapp fünfzehn Kilometer saßen wir im Sattel. Vier Stunden hat dieser Trip gedauert. Unsere nächste Übungseinheit im Schaukelstuhl haben wir uns wahrhaft verdient!!!

Über Esthers Küche und die Tiere, die sich da in ihrem Kühlschrank mehr tot als lebendig neben den Lebensmitteln tummeln, möchte ich so wenig sagen, wie über oben erwähnte Matratzen. Ich möchte auch nicht dran erinnert werden, dass unsere Gastgeberinnen in eben dieser Küche ein wirklich schmackhaftes Abendessen brutzeln, welches wir auf der Veranda ihrer Schwiegertochter bis auf den letzten Bissen vernichten. Ebenso über den Abend, an dem wir das erste Mal mit sehr jungen kubanischen Frauen (besser: Mädchen) konfrontiert werden, die durchaus großes Interesse zeigen, mit wesentlich älteren westlichen Männern anzubändeln, erspare ich mir jedes Wort. Gerade Letzteres will nicht zu unserer sehr individuellen Tour, diesem fantastischen Land sowie den tollen und jederzeit freundlichen Menschen passen.

Lediglich noch ausräumen möchte ich den weit verbreiteten Fehlglauben, dass die Geschichte vom „Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ aus den norddeutschen Buxtehude stammt. Die Wahrheit ist anders! Diese Geschichte, so lernen wir an unserem lauen, letzten Abend in Viñales, muss ein Kubaner geschrieben haben! Wie sonst ist es zu erklären, dass uns im Vergnügungszentrum nahe der Kirche von Viñales auch heute Abend wieder die illustre deutsche Radreisegruppe lautstark mit ihren brutalen Dialekten begrüßt?!? „Ick bün all dor“ ist ganz bestimmt kein plattdeutscher Ausspruch. Das ist reeeeiiiiiiiines spanisch – wie mein Kumpel Dittsche wohl sagen würde …

Der eine oder andere, nicht zuletzt ob dieser erneuten Begegnung genossene, Cuba Libre beschert uns einen tieferen Schlaf als noch in der Nacht zuvor. Wir lassen uns auch von lärmenden Tieren nicht stören.

Des isch jo scho mo glar, gell, Häbbätt, Duuhuuu …

Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

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DONNERSTAG, 13.11.2008: SAN DIEGO DE LOS BAÑOS – VIÑALES
von DETLEV BRAACK

Die Nacht bei Cary ist wahrhaft nicht nur wenig erholsam. Sie ist der blanke Horror! Der bei Erstbesichtigung noch gute Eindruck unserer Villa (Julio y) Cary bestätigt sich nicht. Zu spärlich fließt das Wasser aus der Dusche, zu schwer lässt sich bei 28 Grad geruhsamer Schlaf finden und viel, viel zu durchgelegen sind die Betten. Bei sinkendem Sattel nähert sich tagsüber der Hintern dem Asphalt. Ok, das ist nun mal so, hilft nichts! Aber muss der Podex (wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte) deswegen, obwohl gebettet, auch nachts so unglaublich nah am Boden verweilen? Wir meinen NEIN und beschließen schon vor dem Aufstehen, keine weitere Nacht in San Diego zu verbringen, was Cary nicht gerade freundlicher werden lässt.

Schon vor dem Frühstück packen wir unsere sieben oder mehr Sachen zusammen und gehen, da Desayuno nicht wie vereinbart pünktlich um 8 Uhr auf dem Tisch steht, zu einer benachbarten Halle, in der rund 50 kubanische Frauen an großen Tischen sitzen und Tabakblätter vorsortieren. Türen und Fenster stehen offen, und so schauen wir den Kubanerinnen interessiert bei Ihrer Tätigkeit zu. Die Arbeiterinnen mustern uns immer wieder kurz aufblickend sehr skeptisch, bis die morgendliche Stille jäh unterbrochen wird. „Chiiiiiicos!“ schallt es laut vom Eingang unserer Casa Particular. „Chicos!!!“, nun etwas resoluter, „Desayuno!!!“ Wir drehen uns um, erblicken Cary, die Händen in ihre für Schlankheitsfanatiker etwas zu breite Hüfte gestemmt, und verstehen sofort: Antreten, Frühstücksappell, keine Kompromisse! Mahlzeit …

Nach dem Frühstücks-Omelette sehe ich schon Enrique in zerrissenem T-Shirt vor dem Eingang unserer Casa warten. Er ist mit seinem Fahrrad vorbei gekommen, um mich meinen Sattel zu ihrem nächsten Reparaturversuch abzuholen. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass der auf dieser Tour nun schon vierte Mechaniker meines Vertrauens von nach herkömmlicher westeuropäischer Lehrmeinung korrekter Sattelhöhe so überhaupt nichts zu halten scheint. Denn der kleine Enrique sitzt auf seinem blauen Mountainbike noch näher am Asphalt als ich selbst auf meiner Eierfeile (Zitat von „Ich-Lass-Mich-Doch-Von-DIR-Nicht-Überholen-Bergziege“ Christoph …). Na, das kann ja was werden …

Da Carsten noch ein wenig in Kosmetik machen muss, folge ich Enrique mit meinem Fahrrad alleine. Wir verlieren uns in belanglosem Smalltalk, doch als ich bemerke, dass unsere Tour immer weiter aus der Stadt hinaus führt und mich in offensichtlich immer ärmere Stadtviertel bringt, werde ich unruhig. Nach kurzem Schweigen und circa einem Kilometer frage ich vorsichtig: „Enrique, how far do we go?“
„Just a few meters left“ antwortet er und zeigt auf ein hellblaues kleines Häuschen am rechten Straßenrand.

Etwas mulmig ist mir schon, als ich mein Fahrrad durch das kleine, natürlich eingeschossige Wohnhaus in den Hinterhof schiebe, wo uns ein stämmiger Mechaniker mit freiem Oberkörper und schwerem Hammer in seiner rechten Hand erwartet. Die zwischen Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand tätowierten drei Punkte tragen nicht zur Beruhigung meiner ohnehin schon recht angeregten Gedanken bei. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Nie habe ich mich so sehr nach Casi gesehnt wie jetzt …

Enrique (nur passiv, viele Anweisungen gebend) und sein Mechaniker (sehr aktiv, vielen Anweisungen strikt folgend) leisten hervorragende Arbeit und sollen – so stellt sich im weiteren Verlauf der Tour heraus – die letzten „Poncheros“ sein, die sich um meinen Sattel kümmern. Ein mit dem Hammer in das Sattelrohr getriebenes Metall lässt dem Fahrradsitz keine Chance mehr abzusinken. Ich zahle angemessen, lehne Tour-Begleitung für die nächsten drei Tage durch Enrique ab, verlasse erleichtert das Haus und kurz danach auch Cury. Nächstes Ziel: Viñales.

Von Diego de los Baños aus fahren wir die Carretera westwärts Richtung Consolación del Sur, den Blick ständig auf kleine Bäche, sattes Grün, umgestürzte Bäume und abgerissene Häuserdächer gerichtet. So freundlich alle Menschen auch sind und so aufgeregt die Kinder sich zeigen, wenn sie an den Straßenrand in unsere Richtung laufen und laut rufend mit dem Finger auf uns zeigen, so sehr können wir abschätzen, mit welcher Macht der Hurricane im März dieses Jahres gerade diesen Landstrich erfasst haben muss. Verwüstung und umgerissene Bäume allenthalben.

Unseren Plan B für diesen Tag, im Falle einer weiteren Panne schon vor Viñales eine Unterkunft zu suchen, legen wir schnell ad acta, denn wir sehen einfach keine offiziellen Casas Particulares am Rande der Strecke. Und in einer inoffiziellen Casa zu schlafen, kommt für uns nicht in Frage. Allzu oft hörten wir von Kuba-Reisenden, die derartige Casas alleine mit ihrer Unterwäsche, keinesfalls jedoch mit ihren Wertsachen, verlassen mussten. Insgesamt werden wir bei tropischen Temperaturen also wohl eine Strecke von gut 60 Kilometern zurücklegen müssen. Aber wir haben ja den ganzen Tag Zeit …

25 Kilometer vor Viñales biegen wir von der sehr schönen Carretera ab, um vor unserem Zielort noch den einen oder anderen Höhenmeter zu bewältigen und weitere zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen. Da ist zunächst der Alte, der ganz alleine, ohne Stuhl und ohne seine Zähne, nahe einem riesengroßen Che Guevara-Billboard am Straßenrand kauert und uns mit mühsamer Stimme die Strecke zu unserem Zielort weist. Als wir schon weiterfahren wollen, hält ein amerikanischer Schulbus aus den Sechzigern. Geschrei dringt auf die Straße. In den offenen Fenstern sehen wir neugierige, lachende Gesichter. Hände von jungen Mädchen in Schuluniform strecken sich uns entgegen. „Holá“ und „Chiclets“ schreien sie in unsere Richtung und lachen weiter.
Herzergreifend …
Und so ergreife ich dann auch einen bunten Lolly in Herzform, um ihn einem Mädchen in das geöffnete Fenster zu reichen.
Sind wir die fantastischen Drei, eine Popband oder warum fährt der Bus mit noch größerem Geschrei und Gelächter ab als er gekommen ist?!? Dieses Lachen, diese fröhlichen Augen …

Mit einem Lolly weniger und viel positiver Energie im Gepäck wird der Aufstieg nach Viñales nicht etwa schwerer, sondern deutlich leichter. Wir bewältigen die kommenden Anstiege problemlos. Am Ende des Tages haben wir knapp 600 Höhenmeter überwunden, die sich auf etwas mehr als 67 Kilometer verteilen. Der höchste Punkt der Etappe liegt kurz vor Ende unserer Tagestour auf über 200 Meter Höhe und bietet einen fantastischen Blick auf das Valle Viñales, das Tal von Viñales, welches sich schier endlos vor einer fernen Bergkette ausbreitet. Fototermin …

Wieder einmal erreichen wir unser Ziel ohne auch nur einen Tropfen Wasser in unseren Trinkflaschen zu haben. Sehr kritische Versorgungslage und so suchen wir das nächst beste Restaurant auf, bestellen Getränken und verwöhnen unseren Magen ein weiteres Mal unter anderem mit braunem Reis. Ob die beiden ortsansässigen Hotels tatsächlich ausgebucht sind, wie uns der Kellner des Restaurants glauben macht, oder ob diese Auskunft vorgeschoben wird, um uns den Weg zu zwei Casa Particulares, die von Familienmitgliedern derselben Bedienung geführt werden, schmackhaft zu machen, bleibt für immer ungewiss.

Für uns jedoch das wichtigste nach einer weiteren Hitzeschlacht: Wir haben – sorgsam vorab inspiziert – wohnliche Zimmer mit festen Betten, die unsere Körper gewiss weit über dem Boden halten werden. Während Christoph und ich ein Zimmer in der Casa Esther Nodarse teilen, macht es sich Carsten bei Esthers Schwiegertochter in einem gegenüberliegenden eigenständigen Gebäude bequem und erfährt Luxus pur: Eine geräuscharme Klimaanlage, ein Bad, welches auch west-europäischen Maßstäben gerecht wird und als Krönung dann noch ein DVD-Recorder sowie eine breite Palette an Filmen! Herz, was willst Du mehr?

In einer gut besuchten Salsa-Bar an der einzigen Hauptstraße der 4.000-Seelen-Gemeinde Viñales feiern wir den zweiten Tag ohne Panne und stellen mit Freude fest, … dass wir heute mal nicht auf die andere deutsche Radreisegruppe mit den vielen furchtbaren Dialekten getroffen haben und
… dass offensichtlich auch in Viñales, wie in allen anderen kubanischen Orten, der Cuba Libre genauso viel Alkohol enthält wie mindestens drei Cuba Libre im dieser Tage von Kälte und Schneefall heimgesuchten Deutschland.

Na dann: Prost!!!





Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

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