Kuba Urlaub | 5. Tag – VIÑALES

DONNERSTAG, 13.11.2008: SAN DIEGO DE LOS BAÑOS – VIÑALES
von DETLEV BRAACK

Die Nacht bei Cary ist wahrhaft nicht nur wenig erholsam. Sie ist der blanke Horror! Der bei Erstbesichtigung noch gute Eindruck unserer Villa (Julio y) Cary bestätigt sich nicht. Zu spärlich fließt das Wasser aus der Dusche, zu schwer lässt sich bei 28 Grad geruhsamer Schlaf finden und viel, viel zu durchgelegen sind die Betten. Bei sinkendem Sattel nähert sich tagsüber der Hintern dem Asphalt. Ok, das ist nun mal so, hilft nichts! Aber muss der Podex (wie meine Großmutter immer zu sagen pflegte) deswegen, obwohl gebettet, auch nachts so unglaublich nah am Boden verweilen? Wir meinen NEIN und beschließen schon vor dem Aufstehen, keine weitere Nacht in San Diego zu verbringen, was Cary nicht gerade freundlicher werden lässt.

Schon vor dem Frühstück packen wir unsere sieben oder mehr Sachen zusammen und gehen, da Desayuno nicht wie vereinbart pünktlich um 8 Uhr auf dem Tisch steht, zu einer benachbarten Halle, in der rund 50 kubanische Frauen an großen Tischen sitzen und Tabakblätter vorsortieren. Türen und Fenster stehen offen, und so schauen wir den Kubanerinnen interessiert bei Ihrer Tätigkeit zu. Die Arbeiterinnen mustern uns immer wieder kurz aufblickend sehr skeptisch, bis die morgendliche Stille jäh unterbrochen wird. „Chiiiiiicos!“ schallt es laut vom Eingang unserer Casa Particular. „Chicos!!!“, nun etwas resoluter, „Desayuno!!!“ Wir drehen uns um, erblicken Cary, die Händen in ihre für Schlankheitsfanatiker etwas zu breite Hüfte gestemmt, und verstehen sofort: Antreten, Frühstücksappell, keine Kompromisse! Mahlzeit …

Nach dem Frühstücks-Omelette sehe ich schon Enrique in zerrissenem T-Shirt vor dem Eingang unserer Casa warten. Er ist mit seinem Fahrrad vorbei gekommen, um mich meinen Sattel zu ihrem nächsten Reparaturversuch abzuholen. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass der auf dieser Tour nun schon vierte Mechaniker meines Vertrauens von nach herkömmlicher westeuropäischer Lehrmeinung korrekter Sattelhöhe so überhaupt nichts zu halten scheint. Denn der kleine Enrique sitzt auf seinem blauen Mountainbike noch näher am Asphalt als ich selbst auf meiner Eierfeile (Zitat von „Ich-Lass-Mich-Doch-Von-DIR-Nicht-Überholen-Bergziege“ Christoph …). Na, das kann ja was werden …

Da Carsten noch ein wenig in Kosmetik machen muss, folge ich Enrique mit meinem Fahrrad alleine. Wir verlieren uns in belanglosem Smalltalk, doch als ich bemerke, dass unsere Tour immer weiter aus der Stadt hinaus führt und mich in offensichtlich immer ärmere Stadtviertel bringt, werde ich unruhig. Nach kurzem Schweigen und circa einem Kilometer frage ich vorsichtig: „Enrique, how far do we go?“
„Just a few meters left“ antwortet er und zeigt auf ein hellblaues kleines Häuschen am rechten Straßenrand.

Etwas mulmig ist mir schon, als ich mein Fahrrad durch das kleine, natürlich eingeschossige Wohnhaus in den Hinterhof schiebe, wo uns ein stämmiger Mechaniker mit freiem Oberkörper und schwerem Hammer in seiner rechten Hand erwartet. Die zwischen Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand tätowierten drei Punkte tragen nicht zur Beruhigung meiner ohnehin schon recht angeregten Gedanken bei. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen? Nie habe ich mich so sehr nach Casi gesehnt wie jetzt …

Enrique (nur passiv, viele Anweisungen gebend) und sein Mechaniker (sehr aktiv, vielen Anweisungen strikt folgend) leisten hervorragende Arbeit und sollen – so stellt sich im weiteren Verlauf der Tour heraus – die letzten „Poncheros“ sein, die sich um meinen Sattel kümmern. Ein mit dem Hammer in das Sattelrohr getriebenes Metall lässt dem Fahrradsitz keine Chance mehr abzusinken. Ich zahle angemessen, lehne Tour-Begleitung für die nächsten drei Tage durch Enrique ab, verlasse erleichtert das Haus und kurz danach auch Cury. Nächstes Ziel: Viñales.

Von Diego de los Baños aus fahren wir die Carretera westwärts Richtung Consolación del Sur, den Blick ständig auf kleine Bäche, sattes Grün, umgestürzte Bäume und abgerissene Häuserdächer gerichtet. So freundlich alle Menschen auch sind und so aufgeregt die Kinder sich zeigen, wenn sie an den Straßenrand in unsere Richtung laufen und laut rufend mit dem Finger auf uns zeigen, so sehr können wir abschätzen, mit welcher Macht der Hurricane im März dieses Jahres gerade diesen Landstrich erfasst haben muss. Verwüstung und umgerissene Bäume allenthalben.

Unseren Plan B für diesen Tag, im Falle einer weiteren Panne schon vor Viñales eine Unterkunft zu suchen, legen wir schnell ad acta, denn wir sehen einfach keine offiziellen Casas Particulares am Rande der Strecke. Und in einer inoffiziellen Casa zu schlafen, kommt für uns nicht in Frage. Allzu oft hörten wir von Kuba-Reisenden, die derartige Casas alleine mit ihrer Unterwäsche, keinesfalls jedoch mit ihren Wertsachen, verlassen mussten. Insgesamt werden wir bei tropischen Temperaturen also wohl eine Strecke von gut 60 Kilometern zurücklegen müssen. Aber wir haben ja den ganzen Tag Zeit …

25 Kilometer vor Viñales biegen wir von der sehr schönen Carretera ab, um vor unserem Zielort noch den einen oder anderen Höhenmeter zu bewältigen und weitere zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen. Da ist zunächst der Alte, der ganz alleine, ohne Stuhl und ohne seine Zähne, nahe einem riesengroßen Che Guevara-Billboard am Straßenrand kauert und uns mit mühsamer Stimme die Strecke zu unserem Zielort weist. Als wir schon weiterfahren wollen, hält ein amerikanischer Schulbus aus den Sechzigern. Geschrei dringt auf die Straße. In den offenen Fenstern sehen wir neugierige, lachende Gesichter. Hände von jungen Mädchen in Schuluniform strecken sich uns entgegen. „Holá“ und „Chiclets“ schreien sie in unsere Richtung und lachen weiter.
Herzergreifend …
Und so ergreife ich dann auch einen bunten Lolly in Herzform, um ihn einem Mädchen in das geöffnete Fenster zu reichen.
Sind wir die fantastischen Drei, eine Popband oder warum fährt der Bus mit noch größerem Geschrei und Gelächter ab als er gekommen ist?!? Dieses Lachen, diese fröhlichen Augen …

Mit einem Lolly weniger und viel positiver Energie im Gepäck wird der Aufstieg nach Viñales nicht etwa schwerer, sondern deutlich leichter. Wir bewältigen die kommenden Anstiege problemlos. Am Ende des Tages haben wir knapp 600 Höhenmeter überwunden, die sich auf etwas mehr als 67 Kilometer verteilen. Der höchste Punkt der Etappe liegt kurz vor Ende unserer Tagestour auf über 200 Meter Höhe und bietet einen fantastischen Blick auf das Valle Viñales, das Tal von Viñales, welches sich schier endlos vor einer fernen Bergkette ausbreitet. Fototermin …

Wieder einmal erreichen wir unser Ziel ohne auch nur einen Tropfen Wasser in unseren Trinkflaschen zu haben. Sehr kritische Versorgungslage und so suchen wir das nächst beste Restaurant auf, bestellen Getränken und verwöhnen unseren Magen ein weiteres Mal unter anderem mit braunem Reis. Ob die beiden ortsansässigen Hotels tatsächlich ausgebucht sind, wie uns der Kellner des Restaurants glauben macht, oder ob diese Auskunft vorgeschoben wird, um uns den Weg zu zwei Casa Particulares, die von Familienmitgliedern derselben Bedienung geführt werden, schmackhaft zu machen, bleibt für immer ungewiss.

Für uns jedoch das wichtigste nach einer weiteren Hitzeschlacht: Wir haben – sorgsam vorab inspiziert – wohnliche Zimmer mit festen Betten, die unsere Körper gewiss weit über dem Boden halten werden. Während Christoph und ich ein Zimmer in der Casa Esther Nodarse teilen, macht es sich Carsten bei Esthers Schwiegertochter in einem gegenüberliegenden eigenständigen Gebäude bequem und erfährt Luxus pur: Eine geräuscharme Klimaanlage, ein Bad, welches auch west-europäischen Maßstäben gerecht wird und als Krönung dann noch ein DVD-Recorder sowie eine breite Palette an Filmen! Herz, was willst Du mehr?

In einer gut besuchten Salsa-Bar an der einzigen Hauptstraße der 4.000-Seelen-Gemeinde Viñales feiern wir den zweiten Tag ohne Panne und stellen mit Freude fest, … dass wir heute mal nicht auf die andere deutsche Radreisegruppe mit den vielen furchtbaren Dialekten getroffen haben und
… dass offensichtlich auch in Viñales, wie in allen anderen kubanischen Orten, der Cuba Libre genauso viel Alkohol enthält wie mindestens drei Cuba Libre im dieser Tage von Kälte und Schneefall heimgesuchten Deutschland.

Na dann: Prost!!!





Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

Was bisher geschah! Das ultimative Cuba Libre Archiv!

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Klettermaxe

Meine Lauflust hat sich mittlereile asymptotisch gegen Null genähert. Es macht einfach zurzeit keinen Spaß und ist viel zu kalt in diesem Land. Daher war es nötig sich einen Ausgleichssport zu suchen, um die um diese Jahreszeit so gefährliche Verfettung aufzustoppen.

Die Kletterei scheint mir ein toller Ausgleich für das Laufen zu sein, dehnt sie doch wunderbar den ganzen Christoph und beansprucht eine Muskulatur, die ich gar nicht mehr glaubte überhaupt zu besitzen.

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Kuba Urlaub | 4. Tag – SAN DIEGO DE LOS BAÑOS

MITTWOCH, 12.11.2008: VILLA SOROA – SAN DIEGO DE LOS BAÑOS
von DETLEV BRAACK

Wiederum sehr früh am Morgen öffnen wir unsere Augen. Kein Wunder, scheint uns doch die Sonne direkt ins Gesicht. So ist es halt, denke ich, wenn man keine Gardinen hat. Und der immer noch auf Hochtouren laufende Generator weiß auch zu verhindern, dass man sich noch einmal umdreht, um den Tag gaaaaanz langsam anzugehen. Dusche, Abstieg zum Haupthaus, Frühstück. Gleich nach dem Frühstück widmen wir uns meinem Sattel und sind schon bald verhalten optimistisch, dass die zur Verengung des Rohres genutzte aufgeschlitzte Bucanero-Dose späteres Absinken meines Sattels verhindern kann.

Gegen 11 Uhr machen wir uns auf zum Mirador (= Aussichtspunkt). Am Ende des holprigen Aufstieges werden wir durch einen Ausblick belohnt, der Seinesgleichen sucht. Grün so weit das Auge reicht, in alle Richtungen. Vögel kreisen um unsere Köpfe. Beeindruckend! Auf dem Aussichtspunkt sitzt bereits ein freundlicher, aber sehr zurückhaltender Kubaner, der täglich fünf Kilometer geht, um danach den Gipfel zu besteigen, beladen mit Getränken, kühlendem Eis und selbst gebasteltem Schmuck, den er hier verkauft. Wie viele Touristen täglich wohl auf den Aussichtspunkt kommen, wollen wir wissen. „Im Durchschnitt? 30 vielleicht. Más ó menos …“ Alleine schon, um seine täglichen Mühen zu belohnen, kaufen wir dem Gipfel-Kaufmann eine Dose Becks-Bier sowie Wasser ab und begeben uns auf den Abstieg zum Salto, dem Wasserfall, circa 300 Höhenmeter unter uns. Nach umfangreichem Fotoshooting begeben wir uns das letzte Mal auf den beschwerlichen Weg zu unserer Herberge. Schnell wollen wir zusammenpacken, um weiter Richtung Westen zu fahren. Obwohl die Tour abseits der Hauptstraße landschaftlich deutlich attraktiver sein soll, entscheiden wir uns, in der Nähe der ohnehin nur spärlich vorhandenen kleinen Orte zu bleiben. Denn nur, wo ein Ort ist, vermuten wir auch Poncheras, die uns im doch recht wahrscheinlichen Bedarfsfall hilfreich zur Seite stehen können.

Gegen 14 Uhr verlassen wir die Villa Soroa, um eine halbe Stunde später in San Cristobal dann auch schon die erste Ponchera des Tages anzufahren. Es fährt sich einfach nicht gut, wenn der Hintern zu nah am Asphalt ist. Schnell scharen sich drei hilfsbereite Mechaniker um das nach kubanischen Maßstäben wohl zumindest als Hightech-Gerät zu bezeichnende Gefährt. Trotz zusätzlicher Motivation durch flugs gekaufte Kekse wird auch diese Reparatur den Sattel nicht wie gewünscht stabilisieren.

Dass Wunsch und Wirklichkeit oft weit auseinander liegen, muss auch Christoph in San Cristobal beim Wassereinkauf erfahren. Denn ihm wird auf seinen doch so klar in Spanisch artikulierten Wunsch nach „aqua“ nur Irritation von der gegenüber sitzenden Alten entgegengebracht.
„Qué???“ fragt die Alte irritiert.
„Aqua!!!“ wiederholt Christoph.
Die Mine der Alten hellt sich umgehend auf.
„Aaaah, sííííí!“, sagt sie, um sogleich unter dem Verkaufstresen zu wühlen und dem erstaunten Hispano-Deutschen mit breitem zahnlosen Lächeln … Gummistiefel vorzulegen. Spanisch: 6. Setzen!!! Aber witzig ist es trotzdem …

Wir verlassen San Cristobal und setzen unseren Weg fort. Ziel: San Diego de los Baños in der westlichsten kubanischen Provinz Pinar del Río. Bis dort sind es circa 60 Kilometer, die wir unseren Rädern heute durchaus zutrauen. Und so folgen wir bei inzwischen 35 Grad im Schatten und strahlendem Sonnenschein der parallel zur Autopista verlaufenden Carretera Central. Wiederum wunderschöne Landschaften eröffnen sich links und rechts der meist flachen, nur wenig befahrenen Strecke. Immer wieder überqueren wir verrostete Brücken, links und rechts des Weges mehr und mehr entwurzelte Bäume. Resultat zweier Hurricans, einer von ihnen Ike, zu Beginn des Jahres. Naturmacht pur, die nicht nur die Landschaft veränderte, sondern auch viel Häuser in den wenigen durchfahrenen Orten zerstörte. Immer wieder sehen wir abgerissene Dächer oder Teile abgerissener Dächer, Notbehausungen, Armut. Und immer wieder werden wird unser im Vorbeifahren oft ausgerufenes „Holá“ von kubanischen Männern freundlich erwidert, während die Frauen eher skeptisch-zurückhaltend schauen. Fröhliche und aufgeregte Kinder winken uns, laufen an die Straßen oder Zäune, rennen auch mal parallel mit uns mit und fordern mit lachenden Augen „Chiclets“. Hätte ich doch bloß mehr von diesen farbenfrohen Lollies mitgenommen …

Nach 60 Kilometern mit nur 320 Höhenmetern erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang San Diego de los Baños. Da dort kein herkömmliches Hotel zu bekommen ist, beschließen wir, unsere ersten Erfahrungen mit den für Kuba typischen Casas Particulares zu machen. Empfohlen wird uns die Villa Julio y Cary. Eine erste vorsichtige Begutachtung der Zimmer, insbesondere von Christoph sehr kritisch durchgeführt, endet positiv, und so bekunden wir der resoluten Hausherrin (Cary?) gegenüber, dass wir gerne bleiben möchten und zwei Zimmer benötigen. (Da wir dem zweiten Namensgeber Julio während unseres gesamten Aufenthaltes nicht begegnen, liegt es nah, dass er, von Carys herrischem Treiben getrieben, schon vor langer Zeit das Weite gesucht hat.)

Cary weist uns ein Einzel- und ein Doppelzimmer zu. An diversen Schaukelstühlen vorbei betreten wir die Habitaciones, um dort sodann unsere ersten Erfahrungen mit den brasilianischen Duschen zu machen, die wir bislang nur aus dem ganz hervorragenden englischen Bicycling Cuba-Reiseführer von Wally und Barbara Smith kennen. Auch bei Cary wird das Wasser erst warm, wenn man den nahe dem Duschkopf-ähnlichen Gestell befindlichen Schalter von Off auf On stellt. Bevor unsere herrische Wirtin zum Abendessen ruft, beginnen wir auf der Veranda unseres Domizils mit den ersten Trainingseinheiten im Schaukelstuhl. Schon bald reizen wir die liebe lange Länge der gebogenen unteren Kufen aus – immer wieder kurz davor, einen rückwärtigen Überschlag mit Hauswandkontakt zu vollführen. Wenn das Cary wüsste, die in der Küche unser dreigängiges Menu bereitet. Lange kein Hähnchen mehr gehabt …

Bei wunderschönem Vollmond beschließen wir, noch einen kurzen Gang durchs Dörfchen zu machen, um sodann wieder umzukehren. Zu dunkel sind die Gassen. Wir fühlen uns nicht sicher und beschließen, einen kurzen Absacker im Hotel Mirador zu nehmen. Mit Freude hören wir schon von Weitem die Rhythmen kubanischer Musik, um kurze Zeit später mit Ernüchterung die bekannten Gesichter der uns schon bekannten Reisegruppe aus der Villa Soroa zu sehen, die uns insbesondere beim Abendessen dort schon aufgefallen sind. Und das Schlimmste: Sie sprechen immer noch in ganz vielen furchtbaren Dialekten über diverse Reiseerfahrungen. Um mal wieder etwas Französich in den kubanischen Alltag zu bringen: „Bonjour, Tristesse“ oder: „Ein Hoch auf die Individualreise“ …

Wenig später sitzen wir am Tisch von Enrique, der mir als ortsansässiger Mechaniker vorgestellt wird. Enrique ist Kubaner, sehr freundlich und spricht hervorragendes Englisch. Dass seine ebenso am Tisch sitzende Gattin nicht mehr als eine Handvoll Zähne im Mund hat, macht die Unterhaltung nicht weniger abwechslungsreich. Jedoch, als die Diskussion politischer wird, Enrique immer mehr von seinem selbst gebrannten Rum ausschenkt und ich plötzlich das Animal Farm-Zitat „Some animals are more equal than others“ von rechts vernehme, beschließe ich, dem Gespräch nur noch passiv zu folgen. Ich bin mir in diesem Moment nicht sicher, ob wir unseren Freund Carsten am nächsten Tag noch am Frühstückstisch begrüßen werden können …

Zum Abschluss vereinbare ich mit Enrique, dass er mich am kommenden Tag gegen 9 Uhr bei Cary (und Julio?) abholt, um den nun schon vierten Versuch zu unternehmen, meinen Sattel auf einer meiner Körpergröße angemessenen und mir angenehmen Höhe festzustellen.

Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

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