Grand Tour de Cubas Oriente | HOLGUÍN – GUARDALAVACA

by in Cuba libre, In die weite Welt hinaus, Radeln 

SAMSTAG, 12.12.2009: HOLGUÍN – GUARDALAVACA
von DETLEV BRAACK


Wer bitte schön schafft es, bei so lauter Musik einzuschlafen?
Wer soll bei 1,40 Meter Bettbreite durchschlafen?
Wer soll an einer Hauptverkehrs-Einbahnstraße, die abwechselnd von laut röhrenden LKWs, amerikanischen Straßenkreuzern, stinkenden Zweirädern und offensichtlich mit Holzrädern ausgestatteten Pferdekarren befahren wird, ausschlafen?

Seit drei Uhr nachts wälzen wir uns in dem schmalen Bett – inzwischen dann auch mit Ohropax und Papierschnipseln in den hierfür vorgesehenen Körperöffnungen. Mal redet der eine laut, dann spürt man den Hintern des anderen am eigenen Gesäß und als schlechte Abwechslung nervt dann auch schon wieder die knarzende Klimaanlage. Zumindest aber übertönt diese Frischluft spendende Anlage das laute Röhren der nicht enden wollenden Karawane unterschiedlichster Fahrzeuge. Das Schlimmste an dieser Nacht jedoch scheint die durchgelegene, durchgehende Matratze. Sie gibt dem jeweils anderen Schlafenden nur allzu oft das Gefühl, als würde auf der anderen Seite des Bettes – parallel zur eigenen Nachtruhe – die Trampolinweltmeisterschaft ausgetragen werden. Erstmals auf kubanischem Boden, versteht sich. Alles in allem ist es also eine nicht mit höchstem Erholungswert versehene Nacht, für die wir an ihrem frühzeitigen Ende jedoch mit einem guten, nur 2,50 CUC (konvertible kubanische Pesos) teuren ‚desayuno con frutas y tortilla’ belohnt werden.

Schon um 8:30 Uhr verabschieden wir uns bei bereits 27 Grad im Schatten lauthals und per Handschlag von unseren freundlichen Gastgebern, um die von mehr Pferdekarren und Fahrrädern als Autos befahrene Einbahnstraße Richtung Guardalavaca ortsauswärts zu radeln. ‚Schnell raus aus der Stadt’ denken wir. Und wir haben diesen Gedanken auch schon fast zu Ende geführt als lockere Lenker und lose Vorderräder einen ersten Stopp erzwingen. Damit steht auch schon fest, dass wir es selbst mit eigenen Rädern nicht im Ansatz so weit geschafft haben wie im vergangenen Jahr, wo uns erst nach – aus heutiger Sicht beachtlichen – drei Kilometern ein ‚Plattfuß’ am Malecón von Havanna zum Anhalten zwang. Nach leichten Korrekturen an den Rädern und dem Einkauf erheblicher Wasserreserven an der erstbesten Tankstelle fahren wir endlich Richtung Stadtausgang!

Schnell werden Erinnerungen wach, was uns auch dieses Jahr wieder erwarten wird: Ein kubanisches Straßenbild, welches besonders stark geprägt ist durch Fahrräder, Fahrradtaxis, Pferdefuhrwerke und Karren, die von Ochsen gezogen werden. Allgegenwärtig auch die vielen Menschen, die insbesondere Richtung Ortsausgang am Straßenrand stehen und geduldig auf eine Mitfahrgelegenheit warten, die sich dann irgendwann auf einer LKW-Ladefläche oder (im selteneren Fall) in einem Bus finden wird.

Die Behausungen werden ärmlicher, alle Verkaufs-buden, welche die Straße zunächst noch säumen, sind nun passiert. Auf der gut ausgebauten Straße gibt es oft nur uns mit unseren Rädern und Packtaschen, die sich doch deutlich schwerer anfühlen, als ich es mir vorab ausgemalt hatte. Gerade bergauf wird mehr als deutlich, dass diese Tour anders zu bewerten ist, als eine Fahrt mit leichtem Rucksack oder ohne Gepäck. Möglichkeiten, Wasser zu kaufen, gibt es auf unserer heutigen Tagestour nur noch einmal nach rund 35 Kilometern. Schweißtreibende Angelegenheit …

Nach 59 Kilometern mit 330 Höhenmetern und einer reinen Fahrtzeit von 2 Stunden und 45 Minuten erreichen wir das bereits vorab gebuchte Brisas Hotel in Guardalavaca. Uns ist klar, dass wir hier zum vorerst letzten Mal eine reiche Auswahl an westlich anmutendem Essen vorfinden werden und so attackieren wir umgehend das Buffet. Der Nachmittag gehört dann dem Pool, den mitgebrachten Büchern und dem einen oder anderen Cuba Libre mit Limón. Weit über 35 Grad laden zum Faulenzen ein.

Als nach einem heftigen, abendlichen Regenguss gegen 22 Uhr der ultimative Tageshöhepunkt angekündigt wird, da zwischen der deutschen Rebecca sowie den beiden englischen Teilnehmerinnen Judy und Patricia die Miss Guardalavaca gewählt werden soll, geht in Zimmer 208 das Licht aus. Denn morgen geht es auf die 120 Kilometer entfernt gelegene Insel Cayo Saetía.

Autor: Detlev Braack
GPS: Christoph Witte
Foto: Detlev Braack und Christoph Witte
Abenteuersuchende: CasEr nicht, Detlev Braack und Christoph Witte

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