Kuba Urlaub | 2. Tag – Transfertag in HAVANNA

by in Cuba libre, In die weite Welt hinaus 

MONTAG, 10.11.2008: HAVANNA
von DETLEV BRAACK

Um den überwältigenden Erlebnissen der folgenden (Rad)Tage auch wirklich voll und ganz gerecht zu werden, wäre es nicht sinnvoll, unserem einzigen Tag in Havanna allzu viele Worte zu widmen. Da diese Station aber Teil der Reise ist und insbesondere dem ersten und zweiten Zusammentreffen mit unseren Leih-Fahrrädern eine gewisse Bedeutung für die folgenden Tage nicht abzusprechen ist, muss ein kurzer Abriss zu unseren ersten Kuba-Hauptstadt-Erfahrungen einfach sein.

Nach einer erholsamen Nacht also, die im Anschluss an die Reisestrapazen des langen Vortages auch bitter nötig war und die jedem Einzelnen von uns mindestens neun Stunden Schlaf brachte, gesellte sich Spätaufsteher Christoph so gegen 8 Uhr dann auch endlich zu Carsten und mir an den Frühstückstisch im Hof des Hostal Valencia. Aber ist das, was unsere bei Tageslicht noch viel schönere Unterkunft da aufbot wirklich als „Frühstück“ zu bezeichnen? Meinen Geschmack trifft es jedenfalls nicht. Wüsste ich in diesem Moment jedoch schon, was die bevorstehende Woche noch so an Gaumengenüssen bieten würde, so wäre dieses Frühstück der wahre Hochgenuss für mich. Nun denn, zumindest für denjenigen, der – wie Christoph – auf „Pfannkuchen satt mit süßem Sirup“ steht, ist das Hostal Valencia ein absolutes Muss!

Nach dem Frühstück wollen wir schnell unsere Hightech-Maschinen beim Fahrrad-Verleih El Orbe inspizieren. Wir freuen uns auf Räder, die von ganz alleine über die hügelige Landschaft im Westen Kubas fahren, hat uns El Orbe bei unserer telefonischen Anfrage aus Deutschland doch ganz hervorragendes Material in Aussicht gestellt. Auf unserem Irrweg durch La Habana Vieja gehen wir durch Gassen, in denen sich viel menschliche Masse und mindestens ebenso viel undefinierbarer Geruch aufhält. Und wenn die Nase dann mal nicht alle anderen Sinne überlagert, trifft unser Blick auf marode Bausubstanz, beeindruckende amerikanische Karossen (mit und ohne Rostkante), voll behängte Wäscheleinen und Menschen, die uns alles Mögliche, insbesondere Zigarren, verkaufen wollen. Sind wir in Shorts und mit Reiseführern bewaffnet hier etwa als Touristen zu erkennen?

Als wir nach vielen ersten Tageseindrücken und einer Stunde dann endlich unseren Fahrrad-Verleih finden herrscht Riesenfreude … Und gleich darauf … Ernüchterung … Totale Ernüchterung …

Shimano SIS: ok. Aber alles andere ist auf den ersten und zweiten und dritten und jeden weiteren Blick – positiv ausgedrückt – absoluter Schrott!!! Am Ende (er)fahren wir wohl ein Dutzend Räder mit viel zu wenig Luftdruck Probe. Was bleibt, ist – Carstens Muskelmasse sei Dank – eine zerrissene Kette auf Havannas sowie die Auswahl von drei Sporträdern, von denen keines auch nur im Ansatz selbige Bezeichnung verdient. Frustriert verlassen wir El Orbe und erkundigen uns umgehend im nahe gelegenen nh-Hotel per www und Sprache nach besseren Verleihern. Fehlanzeige.

Zur Abkühlung ein Bierchen (Bucanero aus der roten Dünnblech-Büchse) an einem der großen Plätze Havannas, danach zur Abkühlung bei inzwischen mehr als dreißig Grad eine Stadtrundfahrt auf dem Oberdeck eines modernen Londoner Doppeldecker-Busses sowie als Highlight des Tages der Besuch eines zwanzig Kilometer außerhalb Havannas gelegenen Strandes mit durch Strohhalm inhaliertem Rumgetränk – direkt aus der Kokosnuss.

Die Laune – so viel steht fest – lassen wir uns nicht so schnell verderben!!! Auch nicht dadurch, dass wir um 17 Uhr bei El Orbe unsere Hightech-Räder an dem gleichen Standort wie vorher abgestellt in immer noch demselben katastrophalen Zustand wieder finden – trotz Zusage, dass die Zweiräder im Laufe des Tages vom wortreichen aber offensichtlich wenig ambitionierten Mechaniker noch Tour-fertig gemacht würden. In Ermangelung besserer Angebote übernehmen wir den am Morgen schon ausführlich besehenen Schrott auf Rädern in unveränderter Qualität, pumpen vor Verlassen des Shops lieber noch einmal die Reifen so stark es eben geht auf, verhandeln die (verbesserten) Konditionen und verlassen ernüchtert das Geschäft – mit „ganz hervorragenden“ silbernen Mountainbikes, die uns die nächsten Tage mehr als 300 Kilometer tragen sollen …

Auch der eine oder andere Rum am Abend führt nicht dazu, dass wir so benebelt sind und plötzlich Vertrauen in die Haltbarkeit der kubanischen Räder gewinnen. Nicht mal das Zusammentreffen mit dem leibhaftigen kubanischen Weihnachtsmann, der – welch komischer Brauch – des Nächtens aus Blechbüchsen gebastelte Fotoapparate auf Havannas Straßen vertreibt, lässt uns optimistisch in den kommenden ersten Radtag blicken. Aber Spaß haben wir trotzdem …

Abenteuer-Urlaub …

Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

Unser Abenteuerurlaub auf Kuba wird in den nächsten Wochen unregelmäßig und tageweise auf SG-Traktor.de veröffentlicht. Gastautor Detlev würde sich ganz außerordentlich über Kommentare zu seinen Pamphleten freuen!

Was bisher geschah! Das ultimative Cuba Libre Archiv!

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