Kuba Urlaub | 1. Tag – Anreise

by in Cuba libre, In die weite Welt hinaus 

SONNTAG, 9.11.2008: HAMBURG – PARIS – HAVANNA
von DETLEV BRAACK

Nachdem bei unserem vierten potenziellen Mitreisenden getreu dem Motto „Frauen statt Urlaub“ die Kuba-Leidenschaft nur ein Vortreffen lang angedauert hat, (er aber trotzdem den Flug schon mal mitgebucht hatte, vielleicht auch, um das Geschäft unserer kompetenten reiseperlen zu forcieren,) fährt perlen-Taxi Anke am Sonntag, den 9.11.2008 lediglich drei verhältnismäßig müde Abenteurer zum Hamburger Flughafen. Ihren Mann Christoph rechtzeitig ins Auto zu setzen, ist sicherlich das einfachste Unterfangen und gelingt problemlos. Wenn es doch nur so bliebe…

Doch schon der zweite Halt lässt leichten Unmut entstehen. Carsten „Casi“ Feldmann verlangt nach einer ganz besonderen Extra-Einladung per Telefon-Avis und vollbringt zwischen eben diesem Weckanruf und Einstieg in das Kleinstfahrzeug – wie sich im weiteren Verlauf der Reise herausstellen soll – eine Höchstleistung, vergisst er bei übereiltem Zusammenpacken der reisenotwendigen Utensilien doch lediglich einen Rasierer…

Und der Autor selbst? Als auch mal sturer Zeitgenosse stimme ich der Teilnahme am ‚ach so frühen’ Sammeltransfer nur unter der Bedingung zu, dass das ‚Taxi’ mich als letzten um 5:20 Uhr zusteigen lässt. Und so besteige ich – selbstverständlich mit einer Vielzahl an Rasierern bewaffnet, denn der Koffer ist ja schon seit mehr als einer Woche gepackt… – das winzige Transportfahrzeug dann auch direkt nach der von Irrwegen gekennzeichneten Anfahrt. Und verwöhne hiermit Anke und die anderen Reisenden mir Bierfahne und aber-witzigen Kommentaren, gab es doch am Vorabend ein von mir noch voll bestrittenen Hüttenabend im Winterhuder Terziano. Keine Feier ohne Meier. Und Urlaub muss ja gefälligst ja auch vorgefeiert werden…

Nicht überliefert ist, ob alleine diese halbstündige Taxi-Erfahrung für Anke schon ausreicht, um bei Ankunft am Flughafen Fuhlsbüttel schlussendlich froh zu sein, Christoph und uns endlich abladen zu können …

Um 7:10 Uhr startet Air France mit uns an Bord nach Paris. Flugzeit: knappe zwei Stunden. Kein Problem, sich diese Zeit kurzweilig zu gestalten, gibt es doch in den für zwei Wochen zunächst einmal letzten verfügbaren deutschen Tageszeitungen genug über den aktuellen Spieltag der Fußball-Bundesliga und das vom HSV am Vortag erfolgreich gestaltete Spiel gegen Borussia Dortmund zu lesen. Und außerdem hat man sich ja auch noch genug zu erzählen. Schließlich sieht man sich nicht alle Tage. Im Grunde genommen kommen wir in dieser Konstellation das erste Mal über einen längeren Zeitraum zusammen, nimmt man einmal die an wenigen Fingern abzuzählenden und im Laufe des Abends dann auch schon mal eher Bier- als Kuba-lastigen Vorbereitungstreffen im Winterhuder Köbes heraus.

Glaubt man Carstens Freund Nobbie, so ist der Pariser Flughafen ja so überhaupt nicht geeignet, mehr als fünf Aufenthaltsstunden hier sinnvoll zu gestalten – insbesondere der internationale Teil. Glaubt man heute hingegen uns Dreien nach unseren speziellen Erfahrungen in Frankreich, so sind fünf Stunden Aufenthalt am Pariser Flughafen Charles de Gaulle (für Französisch-Laien sprich: „Tschahrl däh Gohl“) auch im internationalen Teil überhaupt kein Problem, helfen doch insbesondere der zunächst noch unfreiwillige Französischunterricht mit nachfolgend vielen sehr freiwilligen Übungen dabei ganz vorzüglich, Langeweile zu vermeiden. Hier mal ein lockeres „Bonjour“ zur freundlichen Begrüßung der vorher noch fremden Mitmenschen, dort mal ein nettes „Merci“ oder „de rien“ geantwortet, gepaart mit einem „très bon“ bei Erstaunen oder wahlweise ein „fantastique“ für den Fall der Begeisterung vertreiben jedwede Langeweile – auch über fünf Stunden. Für Fortgeschrittene bietet zudem noch das Ablesen sowie die freie Interpretation des Riesen-Plakates eines offensichtlich hervorragenden Weißweines, der auf den wunderschönen Namen „Gérard Bertrand“ hört, genug Spielraum für kommunikative Französisch-Auswüchse, die die Welt vorher noch nicht gehört hat. Und all das ist lediglich von einem Begriff zu schlagen, der die französische Sprache ab dem 9.11.2008 dann revolutionieren sollte, denn seit genau diesem Tage lautet der Imperativ (=Befehlsform) für das Öffnen jedweder Tür doch tatsächlich kurz und knapp „Ouverture!!!“. („Hervorragend, Tilman, jetzt klatschen wir Tilman, ganz hervorragend“ – in Anlehnung an den Lehrer Dr. Schneider, der diese Worte bei Theaterbesuchen regelmäßig zu seinem benachbart sitzenden, noch nicht volljährigen Sohn zu sagen pflegte …)

Mit einem fröhlichen „Bonjour“ auf den Lippen begrüßen wir nach gefühlt kurzer Wartezeit die mehr oder weniger freundlichen Air France-Stewardessen vor altertümlich anmutendem „Interieur“ (sprich: „Interiöar“) in einem mehr als vierhundert Personen tragenden Jumbo, um von ihnen dann gut zehn Stunden später mit einem netten „au revoir“ verabschiedet zu werden. Dazwischen liegen ausbleibende Dunkelheit, eine intensive Flugzeugbesichtigung, bei der uns der finale Blick in das Oberdeck allerdings verborgen bleibt, die eine oder andere Stunde Schlaf, ein ausgiebiger Barbesuch, das Gespräch mit der türkischen Mitreisenden, die sich einfach nicht abwimmeln lassen mag, ein kurzzeitig auf der Flughafen-Toilette verlorener und von einem ehrlichen Finder wieder abgegebener Brustgurt sowie als besonderes Highlight schon vor dem Start zwei viel zu enge Thrombose-Strümpfe, deren Überstreifen auf dem Mittelplatz schon einmal eine ganze halbe Stunde in Anspruch nehmen kann. „Hervorragend Tilman, ganz hervorragend …“

Nach 18 Uhr berührt unser Jumbo mit knapp einer Stunde Verspätung kubanischen Boden und entlässt uns an einem „Finger“ in die kubanische Freiheit. Kein einziges Wort, dafür viele wiederholt tiefe ernsthafte Blicke in die Augen bei Passkontrolle und Visumsausstellung. Gespenstisch. Doch danach begrüßt uns eine Vielzahl fröhlicher Landesflaggen in der Flughafenhalle. Jetzt beginnt das Abenteuer so richtig!

Die erste Aufgabe unserer kubanischen Gastgeber lautet, sich aus dem Gepäck von mehr als vierhundert Reisenden seinen eigenen Koffer herauszusuchen. Wahrscheinlich muss Energie gespart werden oder wie soll man sich sonst erklären, dass das Gepäckband nach gut zwei Minuten einfach stehen bleibt und energische kubanische „Maleteros“ (Kofferträger) die Gepäckstücke der Reisenden bunt wie ein Memory-Spiel im Raum verteilen? Uns Dreien gelingt die schnelle Lösung des Koffer-Memories sehr gut und so stellen wir uns schon bald der nächsten Aufgabe: Taxisuche!

In Kuba sucht man sich kein Taxi, man wird gefunden! Und so sitzen wir nach knappen Preisverhandlungen schon bald in einem weißen Auto … Auto?!? Nein, nein, nein, das ist kein Auto!!! Wir sitzen auf völlig durchgesessenen Sitzen oder den davon übrig gebliebenen Teilen in einem (wahrscheinlich) vierrädrigen Gefährt, welches wohl ein Lada ist. Nachdem der Fahrer vor dem Flughafengebäude missmutig eine Strafe (oder Provision?) – wofür auch immer – bezahlt hat, geht die Fahrt los. An allen Ecken und Enden klappert dieses Gefährt. Da die Halterung zum Einrasten des Gurtes neben meinem linken Becken fehlt halte ich das Gurtende bei innerstädtischem Tempo einhundert mit der linken Hand krampfhaft vor meinem Körper, Meine Rechte greift schnell nach oben. Dorthin, wo bei einem normalen Gefährt ein Haltegriff angebracht ist. Die Suche nach selbigem bleibt vergeblich, denn in diesem Vierrad befindet sich hier nur noch luftleerer Raum.

Bei Dunkelheit passieren wir viele Gefährte: Pferdekarren, Fahrradkarren und Schrottkarren wie die, in der wir sitzen! Was aber unsere besondere Aufmerksamkeit erweckt, das sind die von vielen Fotos bekannten und in allen Reiseführern abgebildeten alten Karossen, die Kubas Straßen zu einem Großteil füllen. Und wir sehen große Plätze, Riesengebäude, alte Häuser und damit auch schon viele Sehenswürdigkeiten Havannas, bevor wir nach ungefähr einer halben Stunde nahe dem Hostal Valencia im Stadtteil Habana Vieja endlich aus der Droschke aussteigen dürfen.

Das Hostal ist hell erleuchtet und hat einen begrünten Innenhof, den man sich schöner einfach nicht vorstellen kann. In den Geschossen säumen hohe Türen die Wände, hinter denen sich die zwölf sehr sauberen Gästezimmer verbergen. Der kleine Raum namens „Villareal“ mit Eisangebot (jedoch „hielo“ und nicht „helado“ …) direkt aus der Klimaanlage für Christoph, das einem Tanzsaal ähnlich große Zimmer „Alicante“ mit drei Betten sowie integrierter, mit jeweils einer grünen Flügeltür abgetrennter Garderobe, Dusche und Toilette für Carsten und mich. Der kleine, niedliche Balkon mit morscher Tür zur kleinen Seitengasse, einfach herrlich. Wir sind angekommen und krönen den Abend mit drei Bucaneros (Bier), Kebab (auf kubanisch steht das für zwei einfache Fleischspießchen ohne Beilage) sowie gemischtem Salat (kubanisch = kleiner flacher Teller mit abgezählt fünfzehn Salatgurkenscheiben, die ein wenig Kraut in der Mitte umrunden.) Egal, wir wollen nur noch schlafen.

21 Uhr:
Gute Nacht, schönes und heiß ersehntes Hostal Valencia
Gute Nacht, Carsten, Christoph, Tilman…
Bis morgen, Havanna!!!

Autor: Detlev Braack
Lektor: Christoph Witte
Foto: Carsten Feldmann und Christoph Witte
Abenteuersuchende: Carsten Feldmann, Detlev Braack und Christoph Witte

Ganz hervorragend Detlev, jetzt klatschen wir…

Was bisher geschah! Das ultimative Cuba Libre Archiv!

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